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Facebooks Vorgehen gegen falsche Likes und das rapide Fanwachstum der Lancôme-Seite

Es ist einfach, seine Fanzahlen mit ein wenig Bargeld in die Höhe treiben zu lassen. Facebook wird diesen Schritt allerdings in Zukunft unterbinden, da falsche Fans zum einen die Authentizität von Facebookseiten verhindern und gekaufte Likes zum anderen auch der Facebookseite selbst schaden.

Die Fananzahl der Körperpflegemarke Lancôme ist im vergangenen Monat jedoch erheblich gestiegen. FMCG-Marken.de hat aufgrund der aktuellen Umstände untersucht, wie sich dieser Anstieg erklären lässt.

Kürzlich hat SPIEGEL ONLINE gezeigt, wie einfach es ist, die Anzahl seiner Twitter-Follower und Facebookfans zu vergrößern. Mit beispielsweise Fandealer oder Promokönig ist es ein Leichtes, seine Fan- und Followerzahlen gegen Bares zu erhöhen. Beispielsweise erhalten Inhaber eines Twitter-Accounts bereits für rund 15 Euro 10.000 Follower. Dabei wird das Kaufen von Fans von den Facebookseitenbetreibern als nicht verwerflich angesehen. So argumentiert ein Mitarbeiter einer Facebookseite, dass es normal sei, sich falsche Fans zu erkaufen, um eine solide Grundlage für echte Fans zu schaffen. Anscheinend seien Facebooknutzer eher dazu bereit, eine „Gefällt mir“-Angabe zu machen, wenn bereits andere das ebenfalls getan haben.

Aus rechtlicher Sicht stelle es kein Problem dar, sich Facebook-Likes und Twitter-Follower zu erkaufen. Dies hänge jedoch laut Rechtsanwalt Thomas Schwenke von der Definition der „Gefällt mir“-Angabe ab. So darf der Like nicht als positive Bewertung gewertet werden, „weil der Kauf von Bewertungen zur Schleichwerbung gehört und Wettbewerbsverstoß ist“. Doch nun möchte Facebook gegen unechte Likes vorgehen. Die Facebook-Sicherheitsseite hat vor kurzem berichtet, dass falsche „Gefällt mir“-Angaben in Zukunft leichter identifiziert und entfernt werden sollen. Facebook geht diesen Schritt, da „niemand von einer „Gefällt mir“-Angabe profitiert, die von keiner wahrhaftig an der Seite interessierten Person gemacht wurde“. Einen weiteren Grund stellt die Verminderung von Authentizität durch gekaufte „Gefällt mir“-Angaben dar. SPIEGEL ONLINE merkt zudem an, dass in Zukunft auch Aussagen, wie „betätige die L-Taste deiner Tastatur und warte ab, was passiert“, ebenfalls nicht mehr erlaubt sein werden.

Die Facebook-Sicherheitsseite liegt mit der Aussage, dass falsche Facebookfans keinen Mehrwert liefern, durchaus richtig. Denn nicht allein die Anzahl der Personen ist von Belang, denen eine Seite gefällt, sondern vielmehr ist das Engagement bzw. die Anzahl derer, die über eine Seite sprechen, ausschlaggebend. Bei einer Vielzahl unechter Fans sinkt das Engagement. In der Relation zur Gesamt-Fananzahl gibt es bei solchen „Fans“ weniger Interaktion mit den von der Facebookseite veröffentlichten Beiträgen. Überdies wird durch eine hohe Anzahl unechter Fans der Edge Rank der Seite negativ beeinflusst. Das liegt daran, dass die meisten Fans die Statusmeldungen nicht sehen, die von der Seite verfasst wurden. Das Kaufen von Facebookfans führt folglich dazu, dass die Meldungen der Fanseite seltener im Newsstream auftauchen und es der eigenen Seite eher schadet, als dass es ihr nutzt. Auch das t3n-Magazin betont bei seiner Berichterstattung über die von Facebook geplante Vorgehensweise gegen falsche Likes, dass die Fananzahl einer Facebookseite „fälschlicherweise gerade von Außenstehenden immer wieder als einziger Indikator erfolgreicher Social-Media-Arbeit interpretiert“ werde.

Bei der Lancôme-Facebookseite kam es im vergangenen Monat zu einem rapiden Anstieg der Fananzahl. Dabei erhöhte sich die Anzahl innerhalb kürzester Zeit von knapp 200.000 auf rund 3 Mio. Fans.

Bild © Socialbakers

Dabei ereignete sich das oben beschriebene Szenario: Die Anzahl der Fans ist erheblich gestiegen – die Anzahl der Personen, die über die Marke sprechen, hat sich jedoch um ein Vielfaches verringert: Von den 2,9 Mio. Fans sprechen gerade einmal 0,14 Prozent über die Marke. Der Vergleich zu der zweit- und drittbeliebtesten Körperpflegemarke, Maybelline-Jade und Nivea, verdeutlicht die Veränderung des Fanverhaltens in der Relation zum Fanwachstum.

Bild © allfacebook.de

Eine Fananfrage bezüglich des plötzlich rasanten Fanwachstums erklärt die Lancôme-Facebookseite damit, dass mehrere Lancôme-Communitys auf Facebook in die offizielle Lancôme-Facebookseite integriert wurden. Das ist seit August vergangenen Jahres in der Tat möglich und eine durchaus praktikable Vorgehensweise, um die eigene Fananzahl zu vergrößern.

Die Frage ist, um welche Seiten es sich hier gehandelt hat. Es muss wohl mehrere kleine Lancôme-Fanseiten mit geringen Fananzahlen gegeben haben, die summa summarum die große Menge an Lancôme-Facebookfans ergeben haben. Falls dies wirklich der Fall ist, hat Lancôme versäumt, die neuen Fans zu begrüßen. Wenn es sich tatsächlich um die „Summe [aller] Fanpages weltweit (fast zumindest)“ handelt, warum werden dann sämtliche Beiträge ausschließlich auf Deutsch veröffentlicht? Glauben Sie, es ist möglich, dass Lancôme die Vielzahl an Fans tatsächlich über diesen Weg gewonnen hat?

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Über Claudia Scharf

Claudia Scharf ist bei Webmatch für die Redaktion „Onlinemarketing“ zuständig. Zu ihren Aufgaben zählen neben Pressearbeit und Schlussredaktion Social Media, Content-Erstellung sowie Recherche.

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2 Comments

  1. Kai Thrun5. September 2012 at 14:28Reply

    Spannend, dass scheinbar weltweit keine einzige Seite von der Maßnahme Wind bekommen haben, dass Facebook neuerdings die Fanzahlen zusammenlegt.
    Ich bin sicher, dass Feature wird sicherlich noch irgendwann aufgegriffen :X

    • Simon Rabente5. September 2012 at 14:45Reply

      Hallo Kai,
      heißt, wenn ich die Seiten „Corporate Deutschland“ mit 400.000 Fans und „Corporate USA“ mit 800.000 Fans habe, werden auf beiden Seiten 1.200.000 Fans angezeigt, obwohl die Seiten weiterhin getrennt voneinander agieren? Oder werden diese zu einer Seite zusammengeschlossen? Das kann ich mir nämlich nicht vorstellen, da bei dem Beispiel Lancôme z.B. alle Galerien in deutscher Sprache benannt sind. Oder wird man den Inhalt länder- bzw. sprachspezifisch steuern können, wie das bei Beiträgen schon der Fall ist? Hast du einen Link dazu?

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